Minoxidil – Wie aus Nebenwirkung Haarwuchs wurde

Vermeintliche Haarwuchsmittel, die ohne den Wirkstoff Minoxidil auskommen, gibt es in Form spezieller Shampoos, Nahrungszusätze, Schaum, Lotionen, Pillen und allerlei anderen Wässerchen, haufenweise.

Ob sie in Drogerie, Apotheke oder Internet zu finden sind – viele versprechen, die einzig wirksame Wunderwaffe gegen eine fortschreitende Glatze zu sein. Doch nur wenige erzielen tatsächlich Erfolge. Mittel mit dem Wirkstoff Minoxidil gehören zu diesen wenigen. Und dabei wurde Minoxidil gar nicht als Medikament gegen Haarausfall entwickelt.

 

Die Geschichte des Minoxidil

In den 1950ern wurde Minoxidil entwickelt. Aber nicht als Mittel gegen Haarausfall, sondern als Medikament gegen Bluthochdruck. Genau genommen als Mittel gegen therapieresistenten Bluthochdruck, also Formen von Hypertonie, die auf andere Medikationen nicht oder nicht in ausreichendem Maße ansprechen.

Erst als Minoxidil zum Test an Menschen zugelassen wurde, stellte sich eine unerwartete Nebenwirkung des Mittels heraus: zunehmender Haarwuchs.

An den Gliedmaßen war diese Nebenwirkung zwar eher lästig, für Forscher und Mediziner ergab sich damit aber eine interessante Zweitverwendung von Minoxidil.

Um die anregende Wirkung auf das Haarwachstum gezielter einzusetzen, zunehmend dichtere Haare an Armen und Beinen also zu vermeiden, wurde eine Lotion entwickelt. Diese gelangte im Jahr 1988 auf den Markt und trug zunächst die Namen Regaine und Rogaine. Unter diesen Bezeichnungen sind die minoxidilhaltigen Mittel auch heute noch zu erhalten. Abhängig von der Konzentration des Wirkstoffes sind die Mittel rezeptfrei oder aber rezeptpflichtig.

Von Blutdrucksenker zum Mittel gegen Glatze

Mittlerweile wird das Mittel Minoxidil nur noch selten zum Senken des Bluthochdrucks eingesetzt. Die Gründe dafür sind zahlreiche negative Nebenwirkungen, die es im Vergleich mit anderen Wirkstoffen schlecht abschneiden lassen. Bei therapieresistenter Hypertonie werden minoxidilhaltige Mittel aber nach wie vor eingesetzt.

Mengenmäßig überwiegt die Verwendung als Mittel gegen Haarausfall aber bei weitem die ursprünglich angedachte Verwendung.

 

Bei welchen Formen des Haarausfalls hilft Minoxidil?

Minoxidil kann nicht bei allen Haarausfall Ursachen angewendet werden. Erfolgsversprechend ist es jedoch bei diffusem und bei anlagebedingtem Haarverlust. Liegt hingegen übermäßiger Haarausfall aufgrund von Mangelversorgung, autoimmunen Erkrankungen, Infektionen, Stress oder hormonellen Schwankungen vor, kann Minoxidil als Haarwuchsmittel nicht wirken.

In diesen Fällen hilft lediglich eine ursächliche Behandlung und umfassende Therapie. Minoxidilhaltige Mittel, wie beispielsweise Regaine, können das Haarwachstum anschließend jedoch beschleunigen. Vorausgesetzt, die Ursache des Haarausfalls konnte behoben werden.

In einigen Fällen ist es auch möglich, Minoxidil zum Verlangsamen der Glatzenbildung einzusetzen. Entsprechende Möglichkeiten sollten mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden.

 

Welche Wirkung haben Präparate mit dem Wirkstoff Minoxidil?

Präparate, die das Haarwachstumsmittel enthalten, stabilisieren den Haarverlust. Tatsächlich halten sie Haarausfall also zumeist nicht auf, sondern verlangsamen diesen. Diese Wirkung gelingt durch eine Stimulierung der Haarfolikel und eine dadurch verkürzte Wachstumsdauer. Damit wirkt Minoxidil der verkürzten Lebensdauer der Haare bei anlagebedingtem Haarausfall entgegen.

Der Wirkstoff stoppt den Verlust also in den meisten Fällen nicht und lässt auch keine neuen Haare entstehen. Er wirkt jedoch anregend auf das Wachstum ein.

In einigen Fällen kann jedoch durchaus ein Haarneuwachstum beobachtet werden. Etwa ein Drittel aller Anwender kommen in den Genuss dieser Wirkung.

Ebenso können aber auch Patienten beobachtet werden, die trotz fachgerechter Anwendung weder einen stabilisierten Haarverlust, noch nachwachsende Haare feststellen können.

 

So wird Minoxidil angewendet

Als Mittel gegen Haarausfall wird Minoxidil direkt auf die betroffenen Stellen aufgetragen. Dies geschieht wahlweise als Schaum oder als Lösung. Und auch Shampoos finden sich auf dem Markt.

Um eine optimale Wirkung zu erzielen, muss das Mittel der Wahl einmassiert werden und – je nach Art und Konzentration – für einige Zeit in die Kopfhaut einziehen können. Denn um die anregende Wirkung nutzen zu können, reicht ein Kontakt mit dem Haar nicht aus.

Für erste sichtbare Erfolge müssen die Mittel langfristig und regelmäßig angewendet werden. Erst nach etwa 12 Wochen zeigen sich erste Resultate. Nach einem Jahr ist mit optimaler Wirkung zu rechnen.

 

Höhere Dosis, bessere Wirkung?

Präparate, die den haarwachstumsfördernden Stoff enthalten, sind in verschiedenen Formen und Konzentrationen erhältlich.

Produkte mit niedrigen Konzentrationen sind rezeptfrei aber apothekenpflichtig. Zudem sind sie meist deutlich kostengünstiger, als höher dosierte Varianten. Sie zeigen jedoch auch eine vergleichsweise geringe Wirkung auf das Haarwachstum.

Mittel mit höheren Wirkstoff-Konzentrationen sind im deutschsprachigen Raum nur auf Rezept erhältlich. Ein vorheriger Arztbesuch ist also Pflicht. Diese Mittel zeigen jedoch auch deutlich bessere Resultate, die schneller sichtbar werden.

Bei bereits schwer ausgeprägtem Haarausfall und deutlicher Glatzenbildung sollte daher eine möglichst hohe Dosis des Wirkstoffs gewählt werden.

Diese sind jedoch auch teurer und werden von den Krankenkassen nicht getragen. Wer neue Haare sprießen und alte erhalten möchte, muss also teilweise tief in die Tasche greifen.

 

Wie lange wirkt Minoxidil?

Minoxidil wirkt bei anlagebedingtem Haarausfall nur geringfügig länger, als es angewendet wird. Haben sich einmal sichtbare Resultate eingestellt und wird das Mittel als Folge dessen abgesetzt, schreitet der Haarverlust meist bereits nach 3 bis 4 Monaten wieder fort.

Auch eine längere, vorausgehende Anwendung des Mittels verlängerte diese Dauer nicht. Um anhaltende Ergebnisse zu erzielen und Haarausfall aufzuhalten, sollten die Präparate also möglichst durchgängig verwendet werden.

Anders sieht es beispielsweise bei stressbedingtem Haarausfall aus. Wird das Minoxidil nur als stimulierendes Mittel angewendet, das das Haarwachstum beschleunigen soll und wurde die Ursache abgestellt, muss keine längerfristige Anwendung erfolgen. In diesen Fällen genügt eine Verwendung als zeitlich begrenzte Kur, von 3 bis 6 Monaten.

 

Wann sind erste Erfolge sichtbar?

Je nach Länge des noch vorhandenen Resthaares und Dosis des Wirkstoffes sind erste Erfolge bereits nach etwa 12 Wochen sichtbar. Allerdings nur in Form von sehr kurzen Härchen. Sind die Resthaare sehr lang oder sehr hell, können erste Resultate der Wirkung aber auch längere Zeit nicht auffallen.

Die neu nachwachsenden Haare sind dann schlicht zu unauffällig und mit bloßen Auge nur schlecht zu erkennen. Ein Hautarzt kann Erfolge jedoch schon deutlich früher feststellen.

 

Wann wirkt Minoxidil nicht?

Minoxidil wirkt nicht oder nur schlecht, wenn der Haarausfall bereits sehr weit fortgeschritten ist oder schon sehr lange Zeit besteht. Zudem bleibt es wirkungslos, wenn der Haarverlust nicht ursächlich abgeklärt und behandelt wird. Denn liegt beispielsweise eine Mangelversorgung vor, kann auch das Stimulieren der Haarfolikel keine Wirkung zeigen.

Auch hier ist also eine Abklärung der Ursache und genaue Diagnose unerlässlich. Denn ein Wundermittel ist Minoxidil bei aller Vorteile und Resultate nicht. Und Geduld verlangt es zudem auch. dafür belohnt es aber mit haariger Wirkung.