Haarausfall: Welche unterschiedlichen Formen gibt es?

Statistiken zeigen: Immer mehr Menschen sind von Haarausfall betroffen. Doch einzelne Haare auf dem Kamm müssen nicht zwangsläufig auf krankhafte Prozesse hindeuten; ein Haarverlust von bis zu 100 Haaren täglich kann noch als normal betrachtet werden.

Werden allerdings deutlich mehr Haare gezählt oder sind plötzlich büschelweise Haarverluste zu beklagen, kann von Haarausfall gesprochen werden. Doch bevor man in Panik gerät und sich fragt, was man gegen den Haarausfall tun kann, sollte man erstmal herausfinden um was für eine Art Haarausfall es sich überhaupt handelt.

Es werden unterschiedliche Haarausfall Ursachen unterschieden:

Erblicher Haarausfall

genetischer bedingter (vererbter) HaarausfallBeim hormonell-erblichen Haarausfall,von dem zahlreiche Männer bereits ab dem 25. Lebensjahr betroffen sind, lichtet sich das Haar zunächst an den Schläfen – Geheimratsecken sind die Folge, die sich im Laufe der Zeit zu einer Stirnglatze und schließlich zur kompletten Glatze ausweiten. Diese hormonelle Form des Haarausfalls liegt in einer erhöhten Empfindlichkeit gegenüber des Hormons Testosteron begründet, die zu einer verkürzten Wachstumsphase der Haare führt.

 

Die Auswirkungen von kreisrundem HaarausfallKreisrunder Haarausfall

Beim kreisrunden Haarausfall hingegen sind die Ursachen noch nicht vollständig geklärt; allerdings wird der Einfluss von seelischem Stress und die Beteiligung von Autoimmunerkrankungen angenommen.

 

Diffuser Haarausfall

Die Auswirkungen von diffusem HaarausfallBeim diffusen Haarausfall, der sich durch eine insgesamte Ausdünnung der Haare zeigt, lassen sich dagegen fast immer Ursachen ausmachen.

 

Zum Beispiel

  • Mangelernährung,
  • Stress,
  • die Einnahme von bestimmten Medikamenten (zum Beispiel Heparin),

aber auch Erkrankungen wie

  • Schilddrüsenfunktionsstörungen,
  • Schuppenflechte
  • oder Infektionskrankheiten.

Insgesamt spärlicher Haarwuchs lässt sich darüber hinaus auch noch mit anderen Ursachen erklären, zum Beispiel einem vererbten Defekt, der dazu führt, dass sich aufgrund von Störungen der Haarstruktur vor allem dünne, brüchige Haare herausbilden. Eisenmangel oder der Einfluss von Röntgenstrahlen kann ebenfalls zum Verlust von Haaren führen.

Check-up beim Arzt – Untersuchungen bei Haarausfall

Wenn viele Haare am Kamm hängenbleiben, sollte das Phänomen einige Tage lang beobachtet werden. Eine Ernährungsumstellung kann helfen, Defizite im Mineralstoff- und Vitaminhaushalt auszugleichen. Ist danach jedoch immer noch keine Veränderung erkennbar, sollte zeitnah ein Mediziner aufgesucht werden, der die Ursachen des Haarausfalls ermittelt.

Beim Arzt werden verschiedene Untersuchungen vorgenommen. In einem ersten Schritt wird die Kopfhaut einer eingehenden visuellen Begutachtung unterzogen. In diesem Zusammenhang können charakteristische Muster oder spezielle Formen der Ausdünnung Aufschluss über die Form des Haarausfalls und damit erste Erkenntnisse über zugrunde liegende Ursachen liefern. Insbesondere kreisrunde Formen oder hormonell-erblich bedingter Haarausfall kann auf diese Weise rasch und sicher diagnostiziert werden.

Handelt es sich hingegen um diffusen Haarausfall, nimmt der Mediziner weitere Untersuchungen vor.

Besonders wichtig ist in diesem Zusammenhang eine Blutuntersuchung, die Aufschluss über einen Vitalstoffmangel oder eine Stoffwechselstörung geben kann.

Besonders wichtig ist die Bestimmung von Hämoglobin; dieser Laborwert ist vor allem bei vorliegender Blutarmut verändert und kann auf einen Mangel an Eisen hindeuten. Besonders junge Frauen sind häufig von Eisenmangel betroffen, der sich in Haarausfall äußern kann.

Manchmal ist Haarausfall auch das Symptom einer gestörten Eisenversorgung; hierüber gibt der Ferritinwert Aufschluss.

Häufig führen jedoch Erkrankungen der Schilddrüse zu einem erhöhten Verlust von Haaren. Die Bestimmung des TSH-Wertes kann hierzu weiterführende Informationen liefern.

Um chronisch-entzündliche Erkrankungen festzustellen, können zusätzlich bestimmte Entzündungsparameter, wie zum Beispiel die Anzahl der Leukozyten, ermittelt werden.

Neben diversen Labortests können auch spezielle Untersuchungen am Haar selbst durchgeführt werden, die wertvolle Informationen über Ursachen und Formen des Haarausfalls liefern.

Um festzustellen, welche Intensität der Haarverlust erreicht, wird der Zupftest durchgeführt. Zu diesem Zweck wird durch gezielten Zug an einem Büschel Haare festgestellt, wie leicht diese dazu neigen, sich von der Kopfhaut zu lösen.

Als besonders unangenehm wird häufig die Untersuchung der Haarwurzeln empfunden, da hierfür die Haare ausgerissen werden müssen. Meist erfolgt die Prozedur mithilfe einer Klemme, die etwa 30 Haare erfasst und von der Kopfhaut ablöst.

Mithilfe des sogenannten Trichogramms kann dann festgestellt werden wie viel Haare sich jeweils in den unterschiedlichen Lebensstadien befinden (zum Beispiel Wachstumsphase, Übergangsphase oder Ruhephase). Anhand der Werte kann dann die Gesamtintensität des Haarausfalls abgeschätzt werden.

Mittlerweile stehen auch computergestützte Untersuchungen der Haare zur Verfügung.

Mithilfe von digitaler Fotografie lassen sich unterschiedliche Parameter bestimmen, zum Beispiel:

  • die Wachstumsgeschwindigkeit der Haare
  • der Durchmesser
  • die Dichte der Haare

Anhand der Werte kann der Haarverlust besser beurteilt werden. Häufig wird diese Diagnosemethode jedoch auch zum Vergleichen des individuellen Verlaufes von Haarverlust herangezogen, zum Beispiel vor und nach einer Therapie.

Erst wenn einfache Untersuchungen der Haare nicht zu einer Diagnose führen, werden Gewebsproben von der Kopfhaut entnommen. Der Schnitt wird so tief angesetzt, dass die Haarfollikel komplett abgetrennt werden können.

 

Haarausfall gezielt bekämpfen – Möglichkeiten

Für die Behandlung von Haarausfall stehen unterschiedliche Haarwuchsmittel zur Verfügung. Insbesondere für die erblich-hormonelle Form sind zahlreiche Medikamente erhältlich. Die Wirkung solcher Präparate tritt in der Regel nach einigen Monaten auf.

Vor diesem Hintergrund hat sich der Wirkstoff Finasterid bewährt, der vor allem Männern verschrieben wird, die unter der erblichen Form des Haarausfalls leiden. Der Stoff entfaltet seine Wirkung, indem er ein Enzym blockiert, das Testosteron aktiviert. Meist kann hierdurch ein Fortschreiten der Symptomatik gemindert und manchmal sogar ein Verdichten der Haare erreicht werden. Das Medikament, das vom Arzt verordnet wird, kann jedoch die Potenz beeinflussen.

Für Frauen steht der Stoff Alfatradiol zur Verfügung, der rezeptfrei in der Apotheke erhältlich ist. Ähnlich wie das Pendant für Männer wird das Hormon Testosteron beeinflusst. Meist wird die Arznei als Haartinktur angeboten.

Darüber hinaus wird häufig der Wirkstoff Minoxidil empfohlen, um Haarverlust wieder auszugleichen. Ursprünglich als Mittel gegen hohen Blutdruck entwickelt, konnte im Zuge der Arzneimittelprüfung bei den Probanden verstärkter Haarwuchs beobachtet werden; der Wirkmechanismus ist hingegen noch nicht vollends erforscht.

Diffuser Haarausfall wird behandelt, indem die Ursache für den Haarverlust beseitigt wird. In erster Linie gehören hierzu Schilddrüsenerkrankungen oder Mangelerscheinungen. In diesen Fällen helfen Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel.

Auch eine Haartransplation kann in Erwägung gezogen werden, um die Frisur wieder voller zu gestalten. Besonders Frauen greifen gerne zu dieser Möglichkeit.

Auch im Bereich der Selbstmedikation stehen zahlreiche Produkte zur Verfügung, die den Haarwuchs anregen sollen. Hierzu zählen beispielsweise Shampoos mit Klettenwurzel, Coffein oder Sägepalmenextrakt. Allerdings kann ein durchschlagender Erfolg dieser Präparate nur in wenigen Fällen nachgewiesen werden.

Da fortschreitender Haarausfall auch ein kosmetisches Problem darstellt, greifen insbesondere Frauen zu kaschierenden Maßnahmen, zum Beispiel vorteilhaften Haarschnitten. Hierbei bleiben Nacken und Ohren ausgespart, während das Haar am Oberkopf etwa drei Zentimeter lang gelassen wird.

Insgesamt gesehen, kann sich Haarausfall in unterschiedlichen Ausprägungen zeigen. Je nach Ursache stehen verschiedene Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung, die Erfolg versprechen, wobei auch kaschierende Maßnahmen zum Einsatz kommen können.